Ostsee - Urlaubstörn Baltikum (27.06.-12.07.2014)

Mit der SY-Oeding (X46 - Performance Cruiser) des Segelklub Bayer Uerdingen e.V.

Route:
Greifswald - Kröslin - Kolobrzeg (Kolberg) - Darlowko (Rügenwaldermünde) - Ustka (Stolpmünde) - Leba (Leba) - Wladyslawowo (Grossendorf) - Hel (Hela) - Gdansk (Danzig) - Kaliningrad (Königsberg) - Klaipeda (Memel)

Teilnahme an der "Baltic Sail Gdansk"

Die Crew: Gerd Z. (Skipper), Mathias v. B. (Co-Autor d. Berichtes), Gisbert F., Lothar H. (ztw.), Detlef P. (Autor des Berichtes)

Die Anreise nach Greifswald erfolgte mit dem Klubbus am 27.6.2014. Eintreffen dort am Nachmittag und einchecken im VCH Hotel Greifswald zum Übernachten. Danach Fischessen an der Klappbrücke in Wieck am Fluss Ryck . Abends Stadtrundgang mit einem Absacker und gemütliches Beisammensein der Crew in der Bowlingbahn des Hotels. 01 greifswaldNach dem Frühstück am nächsten Tag Aufbruch im Nieselregen zum Liegeplatz der Oeding im Stadthafen, Übergabe und Übernahme von Proviant und Reisegepäck. Gegen ca.12:00 beginnt die Reise Richtung Brücke Wieck, die um 13:00 passiert wird. Bei leichtem SW-Wind von 2-4 kn zunächst die Genua gesetzt, später das Groß. Zwischenzeitlich muss der Motor für Vortrieb sorgen. Am Nachmittag ziehen Gewitterwolken über Greifswald auf und es beginnt zu blitzen und zu regnen. Ölzeug ist jetzt angesagt. 02 bruecke wieckDas Tagesziel, die Marina Kröslin, erreichen wir um 17:15. Der Abend sieht Skipper und Crew beim Essen und Fußballfernsehen. Chile unterliegt Brasilien im Elfmeterschießen.

Am nächsten Tag, dem 29.6.2014, Auslaufen in den Peenestrom um ca. 07:30 bei Nieselregen, Setzen von Genua und Groß. Um ca.10:00 Passieren der Insel Ruden bei NO-Wind mit 13-15kn. Auf der Höhe von Swinemünde Reffen des Groß und der Genua bei auffrischendem Wind aus Nordost von 18-24kn. Der Himmel ist bedeckt, Regenböen mit Schauern lassen die Crew im Ölzeug bis in den späten Nachmittag. Festmachen im Zielhafen Kolobrzeg (Kolberg) um ca. 17:00. Beim Einlaufen melden wir uns, wie im Hafenhandbuch beschrieben, über Funk an. Der Hafen bietet Platz für einen Fährbetrieb nach Bornholm, für die Fischerei und Yachten in einer neu angelegten Marina (Marina Solna) mit guten sanitären Anlagen, Waschsalon, Klubräumen, Geschäften, Büros, Vortragssaal, Café und überdachtem Winterlager (Ausbaustufe I). An den schwimmenden Piers sind Wasser- und Stromanschlüsse. Ein kostenloses WLan-Netzwerk ist vorhanden. Der Hafenbereich ist beleuchtet und videoüberwacht, bietet Parkplätze und einen Kinderspielplatz. Die Marina wurde im Rahmen des Projekts der regionalen Tourismusorganisation Westpommern‚ Westpommersche Segelroute, Netzwerk der Tourismushäfen Westpommerns, verwirklicht. Für größere Yachten über 18m ist der Yachthafen sehr eng. Eine Erweiterung des Yachthafens (Ausbaustufe II) ist in Bau und soll 2015 fertiggestellt sein. Der Neubau kann ca. 150 Booten an schwimmenden Piers und Kais Platz bieten, Wasser- und Stromanschlüsse sowie eine Fäkalienentsorgungsstelle bekommen. Auch eine Tankstelle und Laufkran sind geplant. Nach Abschluss sämtlicher Arbeiten wird die Marina Solna etwa 250 Yachten aufnehmen können. In der Nähe des Yachthafens, der historischen Festung Morast Redoute aus dem 18. Jahrhundert, wird mit nieseligem Regenwetter bei Bratfisch und polnischem Bier der Abend unter Regenschirmen im Freien verbracht. Die anschließende Diskussionsrunde an Bord dauert bis zum Schlafengehen um ca. 24:00. Am nächsten Tag, nach dem Frühstück, Stadtrundgang in Kolberg. Fotomotive sind Mariendom und Rathaus.

05 touristenattraktion

Auslaufen Kolberg gegen 11:00 unter klarem Himmel und ein paar Haufenwölkchen mit dem Ziel Darlowko (Rügenwaldermünde), im Mündungsgebiet des Flusses Wieprza (Wipper) gelegen. In der Hafeneinfahrt das gereffte Groß gesetzt und vorsichtig ein Regattafeld durchlaufen. Danach Setzen der Genua und vor nordwestlichem Wind mit ca. 10-14kn unter Bullenstander mit ca. 5-7kn Fahrt bis in die Hafeneinfahrt von Rügenwaldermünde gelaufen. Ankündigung unseres Eintreffens per Funk beim Hafenkapitän, der uns persönlich an der Pier bedeutet, dass beim Passieren der Brücke ein historisches Touristenschiff Vorrang hat. Festmachen im Marinabereich des Hafens gegen 18:00. Es gibt ein neues Klubgebäude mit Duschen und Toiletten. Der Yachtanleger liegt im Bereich des Fischereihafens und bietet Platz für Yachten mit einem Tiefgang bis zu 4m. Es stehen Schwimmstege mit Strom- und Wasseranschluss zur Verfügung. Abgerechnet wird neben den Liegegebühren der Wasserverbrauch. Der Stromverbrauch ist in den Liegegebühren enthalten. Rügenwaldermünde ist ein Touristenort mit Stränden an der Ostsee und zu dieser Jahreszeit stark besucht. Im Ort herrscht Kirmesstimmung. Beim Abendessen im Hafenlokal genossen wir klassische Gerichte der polnischen Küche bei WM-Fernsehunterhaltung. Deutschland spielt gegen Algerien 2:1. Matratzenhorchdienst ist gegen 01:00 angesagt.
03 yachthafen ustka
Bevor wir am nächsten Tag nach Ustka (Stolpmünde) weiterfahren, ist noch ein Besuch in Darlowo (Rügenwalde) geplant, der wegen der Brückenöffnungszeiten in Rügenwaldermünde nur sehr kurz ausfällt. Das sehenswerte historische Zentrum des Ortes konnte deshalb leider nicht umfassend besichtigt werden. Nach Passieren der Brücke in Rügenwaldermünde um ca. 11:00 Setzen des gerefften Groß. Durchlaufen einer Regattabahn und Beisetzen von Genua und Bullenstander vor westlichem Wind mit ca. 4 Bft. und 7- 8kn FdW, Ziel Ustka (Stolpmünde) . In der Hafeneinfahrt von Stolpmünde einen Saugbagger passiert und Anlegen um ca. 15:00 im Fischereihafen nach Durchfahren einer neuen Drehbrücke. Es gibt in Stolpmünde keine Marina für Sportboote. Der örtliche Segelclub unterhält in diesem Jahr nach Aussage des Hafenmeisters keine sanitären Anlagen wegen Verunreinigungen durch eine deutsche Crew. Es gibt allerdings ein WC in der Nähe des Hafenkiosks ( Kosten : 3 Zloty, nach 20:00 geschlossen). Freundlicherweise versorgt uns ein Fischerboot gegen 2 Dosen Bier mit 2 Strom. 04 neue fussgaengerbruecke ustkaDas Abendessen im Ort, der von Touristen übersät ist, besteht aus Piroggen, Fisch und Fleisch.

Am 2.7.2014 geht die Reise von Stolpmünde weiter nach Leba.
Auslaufen um 10:00 bei Nieseln vor einer schwarzen Wolkenwand, die Wind und Regen erwarten lässt. Die Wettervorhersage plädiert für Westwind mit 4-6 m/s. Nach ca. 10sm Fahrt Herauslassen des 2. Reffs und Vorwindsegeln bei 14kn Westwind und 4-8 kn FdW. Mittags Eintopfessen an Bord. Um 15:30 machen wir in der Marina Leba fest. Die sanitären Einrichtungen sind in einem guten Zustand mit 6 Duschen und in einem separaten Gebäude untergebracht. Die Liegegebühren betragen 70 Zloty, einschließlich Strom, Duschen 5 Zloty so lange man will. In der Stadt wird ein Hafenfest gefeiert. Es herrscht Kirmesatmosphäre und wir kehren in einem grillähnlichen Restaurant bei Livemusik ein. 06 marina leba
Für den nächsten Tag ist die Weiterfahrt nach Wladyslawowo (Großendorf) geplant, wo uns Lothar verlassen wird. Er hat einen Flug von Danzig nach Düsseldorf gebucht.

Nach einem gehaltvollen Frühstück, wie immer von Gerd zubereitet, Leba um 08:45 verlassen. Kurs 70°E unter 1.Reff im Groß und Genua. Westlicher Wind bis 4 Bft und zeitweise querlaufende Dünung von achtern erschweren das Kurshalten bei einer FdW bis zu 10 kn. Der Großbaum wird durch einen Bullenstander gesichert, die Genua zum Schmetterling entfaltet. In der Nähe der Ansteuerungstonne vor Wladyslawowo werden die Segel geborgen und die Hafeneinfahrt unter 260° in Richtung des Richtfeuers angelaufen. 08 hafen wladyslawowoIm Bereich des Fischereihafens wird in einer kurzen Box festgemacht. Der Hafen am Anfang der Halbinsel Hel ist ein Touristenort und der größte Fischereihafen Polens. Es gibt eine Toilettenanlage mit Duschenbenutzung gegen Gebühr. Der Standard dieser sanitären Einrichtung ist sehr einfach. Die Stadt besteht im Wesentlichen aus Plattenbauten und erscheint wenig attraktiv. Lothar bestellt für den nächsten Tag sein Taxi nach Danzig. Die Abschiedsrunde versammelt sich am Abend zum Backfisch in einem Schnellrestaurant am Hafen. Bier gibt es auch.

Am 4.7.2014 wird Lothar früh an der Taxe abgeliefert und weiter geht es ohne ihn in Richtung Hel. Tags zuvor haben wir Dietmar und Heidi aus Rostock kennen gelernt, die wie wir an der „Baltic Sail Gdansk“ ab Danzig teilnehmen werden. 3 Um 10:00 abgelegt, sodass das Sperrgebiet 11, ab 11:00 geschlossen, auf dem Weg nach Hel umfahren werden muss. In der Hafeneinfahrt wird das gereffte Groß gesetzt und zusätzlich versucht, unter Genua Fahrt zu machen, was bei fast Windstille nicht möglich ist. Also muss der Motor her. Nach Umfahren des Sperrgebietes 11 geht der Kurs dann auf 200° in Richtung Hel und bei leichtem Wind werden ca. 6kn erreicht. Nach Umfahren der Untiefentonne vor Hel Bergen der Segel. Unter Aufsicht des Hafenmeisters, der sofort auf der Pier auftaucht, wird fest gemacht. Spärliche Duschen (4) und Toiletten gibt es gegen Gebühr in einem Container. Hel ist ein Badeort, voller Souvenirläden, Restaurants und Biergärten. Beim Rundgang durch das Dorf beeindrucken die kleinen, alten Häuser. Allerdings wird auch „Platte“ am Ortsrand sichtbar. Zum Fußballspiel Deutschland-Frankreich wird in der Kneipe „Lord Nelson“ zu Abend gespeist. Später spielt eine Amateurband am Strand auf. Gerd geht früh in die Koje. Die Crew sieht im gleichen Lokal noch das Fußballspiel Brasilien-Kolumbien.

Ein Wind mit Stärke 4-5 Bft, später 6 Bft aus SE-E, begleitet unsere Fahrt nach Danzig nachdem wir das Frühstück, bestehend aus Schinken mit Ei, eingenommen haben. Auf einem Kurs von 220-230° wird das Verkehrstrennungsgebiet unter Groß und Genua durchfahren und in Richtung des eleganten Seebades Sopot (Zoppot) abgedreht. Die Seebäderbrücke, das Kurhaus und Grand Hotel sind von See aus nicht zu übersehen. Hoch am Wind mit einem Kurs von 130° geht es weiter nach Gdansk (Danzig). 09 krantor gdanskIn Höhe des hochaufragenden Denkmals auf der Westerplatte wird nach dem Groß die Genua geborgen und in Höhe des Denkmals die Nationalflagge zum ehrenden Gruße gesenkt. Das Denkmal erinnert an die Verteidigung des befestigten Munitionslagers auf der Westerplatte durch polnische Soldaten zu Beginn des Zweiten Weltkrieges. Am Westufer des 6 sm langen Seekanals nach Danzig befindet sich ein Kreuzfahrtterminal. 11 marina gdanskDie Marina Danzig liegt am Fluss Mottlau 10 alte mottlau gdanskin der Nähe der historischen Altstadt der Hansestadt Danzig. Die Einfahrt zum Yachthafen befindet sich gegenüber dem berühmten Krantor, dem größten mittelalterlichen Hafenkran Europas. Es steht eingebettet in eine historische Häuserfassade, die wie fast alle historischen Gebäude Danzigs nach dem Krieg wieder aufgebaut wurde. Nach Auffüllen unseres Dieseltanks an einem Tankboot laufen wir in den Yachthafen ein und belegen unseren vorreservierten Liegeplatz.

Von den Organisatoren der Baltic Sail Gdansk werden wir mit einem Erkennungsband und T-Shirt bedacht. Das Band ermöglicht uns, die Fähre vom Yachthafen zum Krantor unentgeltlich zu benutzen. Der Hafenmeister spricht ganz gut deutsch. Er weist uns in den Ablauf der morgigen Schiffsparade ein und überreicht uns die Aufstellung der teilnehmenden Schiffe. Wir befinden uns in einer Dreierformation gegen Ende des Korsos.
Das Büro des Hafenmeisters und die gepflegten sanitären Einrichtungen befinden sich auf der Pier in Hafennähe. Wie in Hel, muss das Duschen (5 Duschplätze) separat bezahlt werden. Die Duschzeit ist begrenzt. 4 Am Nachmittag geht der erste Weg in die Stadt und wir nehmen das Angebot eines jungen Mannes an, der uns eine Stadtbesichtigung in seinem Elektromobil anbietet. Sie beginnt am Grünen Tor, der ursprünglichen königlichen Residenz. Heute gehört das Gebäude zum Nationalmuseum und beherbergt auch das Büro von Lech Walesa. Es geht weiter zum Großen Zeughaus. Früher diente das Gebäude als Waffenkammer. Heute befindet sich dort die Kunstakademie. Dann folgt das Langgassertor am Eingang zur Langgasse, einer belebten Fußgängerzone mit prächtigen Bürgerhäusern.
12 neptunbrunnen gdanskDer Neptunbrunnen auf dem langen Markt ist ein Wahrzeichen Danzigs. Die Tradition des „Danziger Goldwassers“ ist eng mit seiner Geschichte verknüpft. Das Goldene Haus, eines der schönsten Häuser Danzigs, steht direkt nebenan. Die Türme der Marienkirche, der größten Backsteinkirche Europas, überragen die wunderschöne Altstadt. 13 marienkirche gdanskBeim Betreten der gotischen Kirche beeindrucken der Hauptaltar, die astronomische Uhr und das Triptychon vom Jüngsten Gericht. Zum Abschluss der Stadtrundfahrt geht es zum Eingangstor der ehemaligen Danziger Leninwerft, in dessen Nähe sich das Denkmal für die Werftarbeiter befindet. 14 marienstrasse gdanskEs erinnert an die Opfer ihrer Streiks im Dezember 1970. Zurück, am Ausgangspunkt der Stadtrundfahrt, wird in der Marienstraße typischer Bernsteinschmuck erworben. Hier verfügen fast alle Häuser über Treppenaufgänge mit Regenwasserspeiern, deren Auslässe mit skurrilen Skulpturen verziert sind. Die Marienstraße war Ort urbanen gesellschaftlichen Lebens wohlhabender Kaufleute. Wegen ihrer historischen Einmaligkeit dient sie heute oft als Filmkulisse.

Heute, am 6.7.2014, startet unsere offizielle Teilnahme am „South Coast Baltic-Boating Rally Programme“, einer Kooperationsveranstaltung Baltischer Staaten die von der Europäischen Union unterstützt wird. Um 11:30 beginnt als erster Programmpunkt die große Schiffsparade „Baltic Sail Gdansk“. Mit dabei ist die Yacht „Reset“ mit der Organisations- und Pressecrew. Auf der „Oeding“ ist die „Bayerflagge“ gehisst. Beim Auslaufen aus der Mottlau wird das Großsegel gesetzt und es geht Richtung Sammelpunkt im Danziger Seekanal. Einreihen in die Warteschlange der Schiffe und Übergabe einer Dose Bier an einen unserer Paradenachbarn.
16 schiffsparade baltic sail gdanskDurch Auflaufen eines Schiffes in Fahrtrichtung gerät die Parade an einem Flach im Seekanal ein wenig ins Stottern, was die in 5 Gegenrichtung fahrenden Schiffe nur kurz irritiert. Das Publikum an der Pier nimmt begeisterten Anteil am Vorbeifahren der Schiffe und winkt freundlich hinüber. Dann geht es bei gewittriger und schwüler Luft an den Liegeplatz zurück. 17 schiffsparade baltic sail gdanskDas Mittagessen wird mit Fischkonserven bestritten. Um 17h findet die offizielle Stadtbesichtigung unter Leitung einer Dame in Landestracht statt. Neben den bereits bekannten Sehenswürdigkeiten der Stadt zeigt sie uns das Haus von Nikolaus Kopernikus und erklärt den historischen Hintergrund zur Entstehung der astronomischen Uhr. Zum Abendessen gibt der Veranstalter der Baltic Sail Gdansk weitere Erklärungen zum Ablauf des folgenden Tages ab, alle Veranstaltungsteilnehmer werden dann von Danzig nach Kaliningrad (Königsberg) fahren.

Am nächsten Tag steht ein frühzeitiges Ausklarieren an. Der Schengen Raum wird verlassen. Die Prozedur zieht sich wegen der vielen teilnehmenden Yachten lange hin. Die „ Oeding“ kann als eines der letzten Schiffe um 07:00 auslaufen. Der Beamte ist freundlich, ein kurzer Check von 2 Pässen genügt. Da die Einfuhr von Alkohol jeglicher Art nach Russland kontingentiert ist (3l/Crewmitglied), mussten unsere überschüssigen Mengen am Tag zuvor an Bord der Yacht „Reset“ gebracht werden. Nach Durchfahren des Seekanals und Flagge dippen an der Westerplatte geht nach dem Segelsetzen die „Oeding“ auf die Reise nach Königsberg. Es herrscht ein östlicher Wind mit ca.3 kn. Der Vortrieb der Segel ist gering, und nach dem Ausreffen des Groß wird etwas mehr Fahrt gemacht. Um im Zeitplan bleiben zu können, muss der Jockel wieder ran, sodass eine FdW von 5kn erreicht wird. Später werden beide Segel geborgen und ein Boot der polnischen Küstenwache nähert sich uns beim Verlassen der polnischen Staatsgrenze. Es bleibt beim freundlichen Grüßen. Der Wind schläft unter blauem Himmel und Sonnenschein ein, sodass die Weiterfahrt nur unter Maschine gelingt. Ein weiterer Teilnehmer mit seinem Boot „Kiwi“ folgt uns, die Yacht „Reset“ gerät zeitweise im Dunst, der über dem Wasser liegt, außer Sicht. Wir nähern uns Baltijsk (Pillau) am Eingang des Seekanals nach Königsberg und melden uns per Funk an. In einem Schlauchboot kommen uns 5 Soldaten in der Hafeneinfahrt entgegen und fragen uns nach Herkunft und Personenzahl. Ein anderes Boot kommt später auf und weist uns an den Einklarierungspier Nr. 81ein, der neben dem neuen Containerterminal liegt. Die Pier ist beschädigt, sodass das Anlegen zu einem besonderen Erlebnis wird. Offizielle in Uniform, eine Frau und drei Männer, erledigen mit Hingabe die Einreiseformalitäten. Dabei spielt die Crewliste, die mehrfach vorliegen sollte, eine große Rolle. Die Pässe werden in einen Computer eingelesen und gestempelt, eine Zollerklärung ist auszufüllen. Kopien werden per Foto mit einer Digitalkamera angefertigt. Stempeln hin, stempeln her, nach ca. einer halben Stunde ist der Einklarierungsvorgang abgeschlossen und wir sind um 18:00 in den Seekanal nach Kaliningrad (Königsberg) entlassen. 18 marina kaliniggrad am pregelVom Veranstalter waren wir angemeldet. An der Pier 81 in Baltijsk (Pillau) verlief die Abfertigung dank eines freundlichen Dolmetschers schnell und problemlos. Die mitgeführten Sportseekarten von Delius und Klasing geben kein exaktes Bild der Betonnung des 34km langen Seekanals wieder aber der Kartenplotter stellt die Verhältnisse vor Ort einigermaßen gut dar. Um 22:00 MESZ machen wir im Industriehafenbereich von Königsberg an einem Betonsockel im Strom vor einer Eisenbahnbrücke fest. 19 sy-oeding i d marina kalininggrad


Ortszeit ist MESZ + 1 Stunde (UTC + 3h). Der Hafenbereich ist für Yachten ausgewiesen, hat aber nur begrenzte Liegemöglichkeiten die an diesem Tag bereits erschöpft sind. Es gibt einen bewachten und einen unbewachten Stegbereich. 6 Sanitäre Anlagen im landläufigen Sinne beschränken sich auf 2 Dixi Klos und eine Dixi Dusche, für Abfälle steht ein Container bereit, Stromanschluß ist vorhanden, Wasser gibt es nicht. Eine Tankstelle ist nicht vorhanden. Im Falle von Brennstoffbedarf kann ein Tankwagen angefordert werden. Die Mindestabnahmemenge beträgt angeblich 1200l. Es gibt auch Brennstoff aus Tonnengebinden. Der Hafenbereich ist eingezäunt und wird durch ein Tor ab 23:00 verschlossen. Auf dem Hafengelände scheint eine Person zu wohnen, die ggf. auch zu später Stunde das Tor noch öffnet. 

20 christ-erloeser-kathedrale kalininggradDas Programm des folgenden Tages beginnt um 09:30 am Hafen. Ein Bus steht zu einem Tagesausflug mit Stadtführung bereit. Auf uns warten die Fremdenführerin und Mitarbeiter der regionalen Touristeninformation. Für unsere Tour bekommen wir einen Touristenpass, der über Königsberg und Umgebung in englischer Sprache informiert. Bei strahlendem Sonnenschein wird zunächst zum Geldwechseln das Radisson Hotel angesteuert. Der Wechselkurs von €/Rubel beträgt 1:40. Die Busfahrt geht vorbei am Rathaus durch die Stadt mit Ziel Svetlogorsk (Rauschen), einem Seebad an der Ostseeküste, das im 2. Weltkrieg nicht zerstört wurde. 21 ostseebad rauschenDer Ort liegt auf der 75km langen Halbinsel zwischen frischem und kurischem Haff, dem Samland, landseitig begrenzt von dem Fluss Pregel und seinem Nebenfluss Deime. Die Fahrt geht weiter über gute Landstraßen durch eine weitläufige, naturbelassene Landschaft. Überall gibt es Storchennester und Holzhäuschen, die in der Hitze flimmern.

In Jantarnyj (Palmnicken) besichtigen wir die einzige Bernsteinmine der Welt. 22 bersteinmine jantarnyjMan fördert dort jährlich 750t Bernstein. Im Bernsteinmuseum Jantarnyj Zamok (Bernsteinschloß) kann die Verarbeitung von Bernstein besichtigt und verarbeiteter Bernstein erstanden werden. 24 bernsteinverarbeitungAm Strand von Palmnicken wird angehalten um das im Jahr 2000 errichtete Denkmal für 3000 von den Nazis ermordete Juden zu besichtigen.
Weiterfahrt nach Rauschen und Mittagessen im Hotel Russ. Zuvor jedoch Einkehr zu einem kühlen Bier für das Gerd und Gisbert gesorgt hatten und Besichtigung der gepflegten Kurzone. Zurück geht es auf direktem Weg über die Autobahn zur Marina. Dort Verabredung für 19:30 um den Königsberger Dom mit der Grabstätte von Immanuel Kant zu besichtigen.
25 koenigsberger domGegenüber der Grabstätte schaut Herzog Albrecht von seinem Standbild herab, das an der Stelle der einstigen Universität steht. Er eröffnete die Albertus Universität Königsberg (Albertina) am 17.8.1544. Als Kaliningrader Staatliche Universität wurde sie 1967 neu gegründet. Im Jahr 2005 erfolgte die Umbenennung in Immanuel Kant Universität Kaliningrad in Anwesenheit von Putin und Gerhard Schröder. Seit 2012 heißt sie Baltische 7 Föderale Immanuel Kant Universität.
Nach dem Abendessen im Foyer eines Hotels schließt sich der nächste Programmpunkt, ein Orgelkonzert im Dom, an.
27 orgel im koenigsberger domVor der Bombardierung der Stadt Königsberg am 30. August 1944 stand der Dom inmitten dichter Besiedlung auf der Kneiphofinsel. Heute steht er allein in einem Park als kulturelles und religiöses Zentrum.

Am nächsten Tag, dem 9.7.2014, früher Aufbruch mit Ziel Klaipeda in Litauen. Auf dem Weg nach Pillau Frühstück, Border Control von 08:10-08:40 und Auslaufen mit östlichem Wind, Stärke 3-4. Nach Verlassen der Hafeneinfahrt Pillau setzen von Groß und Genua. Später Reffen bei auffrischendem Wind. Kurs 360° – 14°. Dieser direkte Kurs in Richtung Klaipeda ist allerdings nicht zu halten und es muss ein Schlag in Richtung Küste gemacht werden, der allerdings auch nicht viel mehr Höhe bringt. Zeitweise flaut der Wind ab und die Genua wird voll entfaltet. Der Wind kommt mittlerweile von vorn und bei geborgenen Segeln müssen die letzten Meilen nach Klaipeda per Motor gefahren werden. Ein wunderbarer Sonnenuntergang begleitete uns in die Nacht. Allmählich tauchen die ersten Lichter in Küstennähe auf, die Kennung der Fahrwassermittentonne wird ausgezählt und an der Steuerbordseite des Fahrwassers, von See einlaufend, entlang des grünen Tonnenstrichs der Castle Harbour angesteuert. Per Funk wird unsere Ankunft zuvor angemeldet, sodass die Einklarierung und Anmeldung beim Hafenmeister in der Einfahrt zum Castle Harbour problemlos erfolgt. Der Innenhafen, getrennt durch eine Drehbrücke, kann leider nicht angelaufen werden und wir müssen den Rest der Nacht an der Pier in der Hafeneinfahrt verbringen. Für Kurzweil sorgt das nahegelegene Public Viewing des Fußballspieles Holland-Argentinien, das von Argentinien im Elfmeterschießen gewonnen wird. Um 02:30 gehen die Lichter aus.

28 klaipeda
Am nächsten Tag um 08:30 Duschen, Verholen zum Tanken und Festmachen im Innenhafen. Die Brücke öffnet für 15 Minuten zu jeder vollen Stunde. Nach dem Aufklaren Übersetzen mit der Fähre auf die kurische Nehrung und Weiterfahrt mit dem Bus nach Nida (Nidden). Birken, Kiefern- und Fichtenwälder rahmen die Straße ein. Nach einstündiger Fahrt erreichen wir unser Ziel. 32 grosse duene nidaNida ist ein Feriendorf aus kleinen, alten Fischerhäuschen in den Farben braun (Fassade), weiß (Fenster) und blau (Türen und Giebel). Früher war der Ort eine Malerkolonie der Expressionisten der ‚Brücke‘. Später gesellte sich Thomas Mann dazu, der dort ein Haus kaufte, das wir aus Zeitgründen leider nicht besuchen können. Die Wanderdünen, die wir aus der Ferne sehen, erreichen eine Höhe von bis zu 60m. Auffällig in Nida sind bunte Windspiele mit lokalen Motiven. Es sind die überall zu entdeckenden geheimnisvoll wirkenden Kurenwimpel, mit denen die Fischer früher ihre Boote markierten um damit die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Ort anzuzeigen.33 kurenwimpel nida

Nach der Rückkehr im Hafen entdecken wir weitere Crews der „Baltic Sail Gdansk“ die mittlerweile eingetroffen sind. Allerdings fehlt noch die Yacht Reset mit den Organisatoren der Veranstaltung und der Pressevertreter. Sie werden am nächsten Tag Klaipeda erreichen. Wir genießen inzwischen ein Abendessen am Hafen und treffen ein Pärchen aus Krefeld, das mit dem Motorrad in den baltischen Staaten unterwegs ist.

Der nächste Tag, der 11.Juli 2014, steht unter dem Zeichen der Abreise. Das Boot wird aufgeklart und von 10:00 bis 13:00 die Brauerei Svyturys, mit Verkostung, besichtigt. Nach dem Mittagessen im Restaurant „Memelis Katpedele“ verabschieden wir uns von den Teilnehmern der „Baltic Sail Gdansk“ und bedanken uns für die gute Organisation. Es heißt weiterhin Reinemachen und Vorbereiten des Bootes zum Crewwechsel, der um 18:30 vollzogen wird.

Mit dem Klubbus erreichen wir unsere Fähre nach Kiel, die pünktlich um 23:00 ausläuft. Am nächsten Tag, dem 12.Juli 2014, treffen wir gegen 19:00 in Kiel ein und fahren zurück nach Hause.
Der Törn war erlebnisreich, voller interessanter Begegnungen und Erfahrungen. Am Ende stehen 460sm, davon wurden 187sm unter Motor gefahren. 34 oeding plot darlowo-klaipeda